Es ist Halbzeit, die ersten 6 Monate sind vergangen. Mein Spanisch hat sich verbessert und ich habe viel erlebt.
Mein Chef hat in einem anderen Dorf noch ein Wohnheim für ehemals obdachlose Senioren eröffnet. Vorher sind wir mit knapp 20 Leuten dorthin gefahren, haben Möbel, Matratzen und Kochutensilien mitgebracht. Wir haben dann ein Wochenende lang Wände neu verputzt, gemalert und das Haus wohnlich gemacht!
Ich habe außerdem angefangen in meiner Freizeit in einem Kinderheim und einem Behindertenheim zu arbeiten. Den Kindern habe ich in den Sommerferien versucht einige Schwimmstile beizubringen. In dem Behindertenwohnheim ist meine Aufgabe ihnen den Alltag schöner zu machen und sie zu beschäftigen. Ich bastele und male viel mit ihnen, wir gehen auch spazieren und spielen verschiedene Ballsportarten. Geburtstage werden dort auch anders gefeiert. Da zu wenig Geld da ist und es zu viele Bewohner gibt, wird einmal in zwei Monaten Geburtstag von allen Geburtstagskindern dieser Monate gefeiert. Ich war einmal dabei und es war fantastisch!
Bei der Arbeit mit den Senioren hat sich nicht viel geändert. Wir haben 2 neue Bewohner bekommen, sie haben sich sehr gut eingelebt und sich in die Gruppe integriert.
Jeder Arbeitstag beginnt jetzt mit der Hilfe bei der ärztlichen Versorgung von Dekubitus bei einer Bewohnerin. Zwischendurch hatte eine andere Bewohnerin Maden in den Beinen, sie wurde aber erfolgreich behandelt. Es war ein Schock für mich und hat meine Ekelgrenze wieder um einiges verschoben.
Um für die Senioren etwas Abwechslung in den Alltag zu bringen gehe ich abwechselnd mit ihnen ab und zu zum Kiosk um mit ihnen Brot zu kaufen. Dadurch bewegen sie sich etwas und kommen auch mal aus der Einrichtung raus.
Es gibt einen etwas jüngeren Bewohner, er hat Trisomie 21. Er isst getrennt von den anderen Bewohnern und braucht auch etwas mehr Aufmerksamkeit. Da ich in der Einrichtung Mittag esse, gehört es jetzt auch zu meinen Aufgaben ihn beim Essen zu begleiten und wenn nötig zu unterstützen und darauf zu achten, dass er genügend trinkt.
Ich helfe auch immer noch bei der Zubereitung der Mahlzeiten. Da ich sehr gerne koche und den Nonnos eine Freude bereiten wollte, habe ich nach Absprache mit meiner Kollegin und dem Chef einen Tag lang das Sagen in der Küche gehabt. Ich war am Vortag einkaufen und habe Frühstück mitgebracht so wie das Mittag gekocht. Es hat allen geschmeckt und ich wurde sogar nach dem Rezept gefragt. Ich habe es meiner Kollegin gegeben und mir einige Argentinische von ihr geben lassen. Die Zubereitung lerne ich durch das Kochen mit ihr kennen.
Ich habe mich jetzt komplett in Córdoba eingelebt. Wenn ich mal den falschen Bus nehme, finde ich mich allein in der Stadt zurecht und komme schnell zu Hause an. An die spontane und sehr entspannte Lebensweise habe ich mich gut gewöhnen können. Ich habe es im Urlaub stark vermisst mich mit Freunden zum Matetrinken zu treffen.
Alle Geschäftsinhaber im nähren Umkreis kennen mich mit Namen und meistens brauch ich gar nicht mehr zu sagen, was ich kaufen möchte, da sie es schon wissen. Selbst am Busbahnhof, hat sich die Frau am Schalter an mich erinnert.
Das Freundschaftsspiel Argentinien gegen Deutschland habe ich mit argentinischen Freunden zusammen geguckt. Nach meinem aus Deutschland mitgebrachten Kaffee und selbstgebackenem Schwarzbrot werde ich auch oft gefragt. Selbst andere Voluntäre haben sich das Rezept von mir geben lassen. Durch meine Freunde lerne ich noch mehr über die hiesige Kultur und im Austausch dazu versuche ich ihnen mit Hilfe von Fotos etwas über Deutschland und unsere Kultur zu zeigen.
Die letzten Monate hatten wir hier Sommer und die Temperaturen stiegen manchmal bis zu 45°C. Durch diese Temperaturen verändert sich auch der Boden. Wenn es dann mal regnet, dann schüttet es. Das Wasser steht noch 3 Stunden später 50cm hoch in den Straßen.
Von dem Erdbeben in Chile haben wir auch ein wenig gemerkt, allerdings ist in unserer Provinz nichts kaputt gegangen. Es lief über mehrere Tage nichts anderes mehr in den Nachrichten und war auch auf den Straßen Gesprächsthema Nummer Eins. Jeder scheint Bekannte in Chile zu haben oder Leute zu kenne, die gerade dort im Urlaub waren.
Für uns hatte es Auswirkungen auf das Zwischenseminar, welches in dem am schlimmsten betroffenen Gebiet stattfinden sollte. Es wurde vertagt und findet jetzt in Argentinien statt.
Im Februar war ein großes Rockfestival in der Provinz Córdoba und einer der Headliner waren Die Toten Hosen. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Dank den Tipps von Freunden, hatte ich auch alle meine Wertgegenstände gut verstaut, so dass mir nichts geklaut wurde. Viele andere Ausländer, die ich dort getroffen habe, gingen ohne Handy, Fotokamera, Portemonnaie etc. nach Hause. Im Dezember war ich auf einem anderen Konzert einer bekannten Band und wieder habe ich festgestellt wie unterschiedlich die Konzerte hier und in Deutschland ablaufen. Auch das Publikum verhält sich anders als in Deutschland, aber daran gewöhnte ich mich schnell.
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